Urlaubsbewässerung für Zimmerpflanzen: 2 Wochen sicher überstehen

· von Bruno Bianchi · 4 Min. Lesezeit

Urlaubsbewässerung für Zimmerpflanzen: 2 Wochen sicher überstehen

Wer zwei Wochen in den Sommerurlaub fährt, kennt das Problem: Was passiert eigentlich mit den Zimmerpflanzen? Vertrocknen sie in der Hitze der leeren Wohnung, oder ersaufen sie, weil irgendein gut gemeinter Nachbar zu viel gießt? Mit ein bisschen Vorbereitung und ein paar simplen Hilfsmitteln kommen die meisten Pflanzen zwei Wochen locker allein zurecht. Nachbarschaftshilfe braucht es dafür gar nicht.

Warum zwei Wochen besonders knifflig sind

Ein verlängertes Wochenende steckt praktisch jede Pflanze weg, da macht sich kaum jemand Sorgen. Bei zwei Wochen Abwesenheit mitten im Hochsommer sieht die Sache anders aus. Hohe Temperaturen, trockene Luft, pralle Sonne am Fenster, das alles lässt den Boden viel schneller austrocknen als gedacht. Aber einfach “auf Vorrat” durchnässen geht auch nicht, denn dann drohen Staunässe und Wurzelfäule, und die ist meistens schlimmer als zu trockene Erde. Die Lösung ist also kein einmaliger Gießmarathon am Vorabend der Abreise, sondern ein System, das über zwei Wochen kontinuierlich funktioniert.

Die wichtigsten Methoden im Überblick

1. Tontöpfe mit Wasserreservoir (Ollas)

Ton-Ollas oder spezielle Bewässerungskegel steckt man in die Erde, und sie geben das Wasser über mehrere Tage hinweg langsam ab, fast wie ein kleines unterirdisches Reservoir. Besonders bei größeren Töpfen machen sie sich gut, und wartungsfrei sind sie quasi von selbst. Ein Reservoir mit 0,5 bis 1 Liter Fassungsvermögen reicht bei den meisten Zimmerpflanzen locker für 10 bis 14 Tage, also genau die Zeitspanne, um die es hier geht.

2. Der Dochteffekt mit Schnur

Eine der einfachsten und, zugegeben, auch kostenlosesten Methoden: Ein Baumwollfaden oder eine Wollschnur wandert einerseits tief in die Erde, das andere Ende hängt in einem mit Wasser gefüllten Gefäß neben der Pflanze. Durch Kapillarwirkung zieht das Wasser dann kontinuierlich zur Wurzel, Tropfen für Tropfen. Ein Detail, das gern vergessen wird: Die Schnur vorher richtig anfeuchten, sonst dauert es, bis der Wassertransport überhaupt in Gang kommt.

3. Plastikflaschen als Tropfbewässerung

Eine umgedrehte PET-Flasche, Deckel mit ein paar kleinen Löchern versehen, kopfüber in die Erde gesteckt, das war’s schon. Das Wasser tropft dann ganz von allein, über Tage verteilt. Für zwei Wochen reicht meist eine 1,5-Liter-Flasche pro mittelgroßer Pflanze. Nur: vorher unbedingt zwei, drei Tage testen, wie schnell sie tropft, sonst steht man nach dem Urlaub vor einem ausgetrockneten Topf oder, schlimmer noch, einer Pfütze.

4. Die Badewannen- oder Wannen-Methode

Praktisch, wenn mehrere kleine Töpfe gleichzeitig versorgt werden müssen: Ein feuchtes Handtuch in die Badewanne oder eine flache Wanne legen, ein bisschen Wasser dazu, und die Töpfe einfach daraufstellen. Über den Dochteffekt des Handtuchs ziehen sich die Pflanzen genau so viel Feuchtigkeit, wie sie brauchen. Für Feuchtigkeitsliebhaber wie Farne oder das Einblatt ist das fast die ideale Lösung.

5. Mini-Gewächshauseffekt mit Plastiktüten

Bei kleineren Pflanzen funktioniert folgender Trick erstaunlich gut: einmal kräftig wässern, danach den Topf locker mit einer durchsichtigen Plastiktüte abdecken. So entsteht ein kleines geschlossenes Mikroklima, in dem die Feuchtigkeit zirkuliert, fast wie in einem Mini-Gewächshaus. Nur bei Sukkulenten oder Kakteen sollte man die Finger davon lassen, denn zu viel Feuchtigkeit fördert hier schnell Fäulnis statt Wachstum.

Vorbereitung: Was vor dem Abflug wichtig ist

Sukkulenten und Kakteen sind die Ausnahme

Diese Pflanzen speichern Wasser in Blättern und Stämmen und kommen oft drei bis vier Wochen völlig ohne Gießen aus, manche sogar länger. Hier reicht in der Regel ein gründliches Wässern vor der Abreise völlig aus, jede zusätzliche Bewässerungstechnik würde eher schaden als nützen. Wer hier mit Ollas oder Dochtmethode herumexperimentiert, riskiert am Ende Wurzelfäule statt eines gesunden Kaktus.

Fazit

Mit einer Kombination aus Ton-Ollas, Dochtmethode oder der Flaschen-Tropfbewässerung lassen sich Zimmerpflanzen zuverlässig zwei Wochen lang versorgen, ohne dass täglich jemand vorbeischauen muss. Entscheidend sind die richtige Vorbereitung, ein passender Standort und eine Methode, die zum tatsächlichen Wasserbedarf der jeweiligen Pflanze passt, nicht jede Pflanze braucht dieselbe Lösung. Wer vorher testet und mit etwas Vorlauf plant, kommt aus dem Urlaub zu grünen, gesunden Pflanzen zurück statt zu welken Blättern auf der Fensterbank.

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